Das MajoritätssystemDa das aber aus Zeitgründen kaum durchführbar wäre, wurde ein anderes Verfahren gewählt: Die Wertungsrichter vergeben zunächst einmal am Ende eines jeden Tanzes für jedes Paar ihre Wertungen. Jede Wertung darf dabei nur genau einmal vergeben werden. Danach werden die Plätze in aufsteigender Reihenfolge - beginnend mit dem 1. Platz - vergeben. Dazu wird in aufsteigender Reihenfolge bei jeder Wertungsziffer nachgesehen, ob ein Paar eine absolute Mehrheit an gleichen oder besseren Wertungen erzielt hat. Dieses Paar erhält dann den als nächstes zu vergebenden Platz. Haben mehrere Paare eine absolute Mehrheit erreicht, so werden die nächsten zu vergebenden Plätze in absteigender Reihenfolge von der höchsten zur niedrigsten absoluten Mehrheit vergeben. Haben mehrere Paare eine identische absolute Mehrheit, so werden die Summen all der Wertungen gebildet, die zu dieser Mehrheit beitragen. Danach werden die nächsten zu vergebenden Plätze in aufsteigender Reihenfolge von der niedrigsten zur höchsten Summe vergeben. Sind für mehrere Paare auch noch diese Summen identisch, so geht man allein für die davon betroffenen Paare zur nächsten Wertungsziffer weiter und versucht erneut an Hand der geschilderten Kriterien von höherer Majorität bzw. niedrigerer Summe der majoritätsbildenden Wertungen eine Reihenfolge unter den Paaren herzustellen. Das versucht man notfalls bis alle Wertungsziffern für die betroffenen Paare abgearbeitet sind. Sind mehrere Paare auch nach Betrachtung aller Wertungsziffern noch immer ohne klare Reihenfolge, so sind die entsprechenden Plätze im Sinne des arithmetischen Mittels zu teilen, also z.B. Platzziffer 2,5 bei den zu vergebenden Plätzen 2 und 3, bzw. Platzziffer 3 bei den zu vergebenden Plätzen 2, 3 und 4. Um die Bildung einer absoluten Mehrheit zu erleichtern, wird jeweils nur eine ungerade Zahl an Wertungsrichtern eingesetzt. Eine gerade Anzahl an Wertungsrichtern ist unzulässig. Damit werden also Pattsituationen möglichst vermieden. Das Majoritätssystem besitzt aber eine höchst gefährliche Tücke: Fallen die Wertungen für alle (!!!) Paare nicht wirklich sehr gleichmäßig aus, so ist eine zuverlässige Vorhersage der Platzziffer für ein einzelnes Paar allein an Hand der Wertungen des Paares nicht möglich. Es sollte sich also niemand durch viele identische Wertungsziffern bei einem Paar dazu verleiten lassen, dem Paar die entsprechende Platzziffer zusprechen zu wollen. Denn da die Mehrheit der Wertungen entscheidet, kann das Paar je nach den Wertungen der anderen Paare sowohl einen Platz gutmachen als auch einen Platz weiter hinten landen. Es ist sogar möglich, dass ein Paar einen Platz bekommt, der schlechter als alle Wertungen ist, die das Paar von den Wertungsrichtern erhalten hat. Denn haben andere Paare für eine Mehrheit ausreichend viele vordere Wertungen, so können sie noch so viele ganz schlechte Wertungen haben, sie erhalten trotzdem vordere Plätze. Es lässt sich darum immer wieder vortrefflich streiten, ob das Majoritätssystem wirklich das gerechteste Wertungssystem ist. Solch ein Streit wird aber meist vor allem dann geführt, wenn jemand im Majoritätssystem für sich einen Nachteil sieht, jedoch nicht wenn es einen Vorteil bedeuten könnte. Allein darum ist all die Streiterei schon müßig. Um so mehr, als sich an diesem System mit Sicherheit nichts ändern wird. Ansonsten ist die zugrunde liegende Idee sehr überzeugend und entspricht das Verfahren dem Entscheidungsprozess einer Jury, wie es in vielen Bereichen üblich ist. Und neben aller Gerechtigkeit - die manchmal sehr subjektiv interpretiert werden kann - sollte nicht vergessen werden, dass das Majoritätssystem wegen der Entscheidung durch die Mehrheit eine hohe Fehlertoleranz aufweist. Denn wo können Wertungsrichter alle Paare über die volle Länge eines Tanzes beobachten, um einen wirklich umfassenden Vergleich vorzunehmen - ganz abgesehen von eventuell anderen störenden Einflüssen? Denn welches Paar tanzt alle Takte auf dem gleichen Niveau, so dass die vorübergehende Aufmerksamkeit des Wertungsrichters nicht ungewollt auch eine Auswahl bildet? Sofern muss ein Wertungssystem nicht nur von den Wertungen zu einer gerechten Platzierung führen, sondern auch sonstige Unzulänglichkeiten - wie sie ohne jede böse Absicht immer wieder eintreten werden - in den Griff bekommen. Zuletzt ist nur noch allen Verschwörungstheoretikern nahe zu legen, sich an ein paar einfachen Beispielen deutlich zu machen, dass ein einzelner Wertungsrichter selbst bei böser Absicht im Majoritätssystem nicht viel ausrichten kann. Mit einem einfachen Summensystem sähe das hingegen schon anders aus. Beim Majoritätssystem kann dagegen nur eine absolute Mehrheit wirklich Einfluss nehmen. Sofern muss sich dann jeder selbst entscheiden, ob er einer Mehrheit immer gleich das Schlimmste unterstellen will. Es bleibt sofern höchstens eine Frage an die Mathematik, ob nach mathematischen Kriterien wirklich noch ein besseres Verfahren denkbar wäre als das Majoritätssystem, das sich in der Praxis herausgebildet hat. Aber auch die Mathematik kann das Problem nicht lösen, unter welcher Zeitknappheit und unter welchen sonstigen Einflüssen die jeweiligen Wertungen zustande kommen. Das Majoritätssystem gliedert sich übrigens in der Form, wie es in der TSO verankert ist, in zwei Teile: Der erste Teil regelt die Ausrechnung eines einzelnen Tanzes, wie er auch hier skizziert wurde. Der zweite Teil beschreibt die Ergebnisermittlung bei mehreren Einzeltänzen und lässt sich bei der Ergebnisermittlung in der Endrunde eines Einzelwettbewerbs nachlesen. | Facebook Bildergalerie Landesmeisterschaften 2012: Tags ![]() ![]() ![]() ![]()
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